Warum das Etikett dein erster Hinweis ist
Du stehst im Stall, das Futter liegt bereit und das Etikett schaut dich an, als wäre es ein Orakel. Ohne das richtige Know‑how erkennst du sofort, ob du deinem Pferd einen Energieschub oder ein Zuckerbombe servierst. Und das ist kein Hexenwerk – ein kurzer Blick, ein bisschen Analyse, und du hast die Kontrolle über die Nährstoffzufuhr.
Zucker – das heimliche Schnellfeuer
Auf jedem Futtermittel stehen meistens drei Zahlen: *Kohlenhydrate, *Zucker und *Stärke. Das ist die Falle, weil Zucker häufig in der Gesamthextraktion versteckt ist. Schau nach Begriffen wie „Maltodextrin“, „Glukose“, „Fruktose“ oder „Saccharose“. Sie klettern gern auf die Vorderseite, während die eigentlichen Mengen im Kleingedruckten schlummern. Wenn du weniger als 2 % Zucker auf dem Etikett siehst, aber „Maltodextrin“ in der Zutatenliste steht, dann hast du gleich ein Rätsel vor dir.
Der Trick mit dem Prozent‑Verhältnis
Ein Blick auf die Prozentangaben im Nährwert‑Panel verrät viel. In der Schweiz gilt: Unter 4 % ist meist unbedenklich, über 8 % wird schnell zum Risikofaktor, besonders für Pferde mit Metabolischem Syndrom. Und hier kommt das Vergleichs‑Game ins Spiel: Zwei Futtersorten, beide mit 10 % Kohlenhydraten, aber das eine hat 1 % Zucker, das andere 5 %. Das zweite ist die versteckte Gefahr, weil die restlichen Kohlenhydrate als Stärke deklariert werden können, obwohl sie praktisch schnell verdaulich sind.
Stärke – das stille Kraftpaket
Stärke ist nicht per se böse, aber du musst wissen, wie schnell sie im Darm zerlegt wird. Auf dem Etikett findest du die Angabe „stärkehaltig“, meist als Prozentsatz. Wenn diese Zahl hoch ist, etwa 30 % oder mehr, bedeutet das, dass dein Pferd eine Menge schnell verfügbare Energie bekommt – perfekt für Leistungssport, fatal für ein älteres Pferd mit Verdauungsproblemen. Achte hier auf Worte wie „gemahlene Haferflocken“, „Maisstärke“ oder „reisige Körner“. Sie sind die Klassiker, die das Tempo erhöhen.
Der Unterschied zwischen Roh- und Verdaulichkeitsangaben
Manche Hersteller geben die „Nettostärke“ an, das ist die Menge, die tatsächlich verdaut wird. Wenn das Etikett nur die Gesamtstärke nennt, musst du rechnen: etwa 80 % der rohen Stärke sind verfügbar. Das heißt, ein Futtermittel mit 25 % roher Stärke liefert rund 20 % nutzbare Energie – ein beachtlicher Anteil, der schnell zu einem Kalorienüberschuss führen kann.
Praxis‑Tipp: Das Etikett als Checkliste
Hier das Rezept für die schnelle Analyse: Erst Zucker prüfen, dann Stärke, danach die Zutatenliste nach versteckten Zuckern scannen. Das spart dir Zeit und schützt das Pferd vor unerwünschten Schwankungen im Blutzuckerspiegel.
Ein Beispiel aus der Realität
Ein Kollege brachte ein neues Ergänzungsfutter mit 12 % Kohlenhydraten und 1,5 % Zucker. Im Kleingedruckten stand jedoch „Maltodextrin“ mit 5 % – ein klassischer Zuckertrick. Ich habe ihn sofort darauf hingewiesen, das Futtermittel zu ersetzen, sonst hätte das Pferd ein Auf und Ab erlebt, das jedem Trainer den Schlaf raubt.
Der letzte Schritt – handeln
Bevor du das nächste Mal das Futter einlieferst, nimm dir die Sekunde, das Etikett zu studieren wie ein Detektiv sein Verbrecherprofil. Und wenn du einen hohen Zucker‑ oder Stärkeanteil erkennst, wechsle sofort zu einer low‑glycemic Variante, die du auf pferdewettenschweiz.com findest. So behältst du die Zügel in der Hand. Und das war’s.
